informationsfreiheit

Information ist selbst ihr bestes Versteck


Michael Moore schreibt einen offenen Brief an Barack Obama. Nach ein paar großen Wünschen (Reiche besteuern, Kriege beenden, anderer Umgang mit Drogen) spricht er dann auch nahezu vergessene Details an: Bradley Manning sitzt noch immer. Wer war denn das schnell? – Richtig, der Afghanistan-Leaker…Ein paar Tage später begeht Aaron Swartz Selbstmord. So breite Aufmerksamkeit hatte er zu Lebzeiten jenseits von Geek-Kreisen kaum. Die Miterfindung des RSS Standards und die Gründung von Infogami (rechtzeitig vor dem Verkauf in Reddit integriert) haben ihn zwar reich, aber nicht so berühmt gemacht. Sein Selbstmord, kurz vor einem Millionen-Dollar- oder 35-Jahre-Haft-Prozess, den US-Behörden wegen seiner Aktivitäten zur Befreiung von Information gegen ihn angestrengt haben (wobei es jetzt keiner gewesen sein will), liefert Stoff für Verschwörungstheorien. – Vielleicht war es aber auch nur eine schlichte Depression… Größen wie Cory Doctorow, Larry Lessig nahmen in ihren Blogs Abschied.
Was sagt das über den Stand der Informationsfreiheit heute?
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Probleme verschwinden schneller, als sie auftauchen, und Information selbst ist ihr effizientester Feind: Je offener die Dinge liegen, je schneller sie einander ablösen, desto weniger werden sie wahrgenommen.
Grundsätzlich hat Swartz nichts anderes gemacht: Er befreite kostenpflichtige wissenschaftliche Texte und behördliche Dokumente, sodass sie öffentlich zugänglich waren. Hinter der folgenden Copyrightklage steckte wahrscheinlich bewusst oder unbewusst auch noch ein anderer Vorwurf, der den Inhabern der geleakten Dokumente wohl noch mehr zu schaffen machte: Mit der durch Wegsperren erreichten Exklusivität hat Swartz ihren Inhalten das sicher effzienteste Marketinginstrument genommen. “Das ist nicht für jedermann”, in Verbindung mit ungenauer Information über den Inhalt, ist nach wie vor die gängigste Marketingstrategie für Paid Content – egal ob Porno, Penisvergrösserung oder politische Geheimnisse.
Eine Menge von Information ist das beste Versteck für Information. Das macht es dem Informationsaktivisten schwer. Und dazu kommt: Es wird einfach so schnell langweilig, immer vom gleichen zu reden. Problem gelöst, Hindernis beseitigt? Keineswegs, aber beschäftigen wir uns lieber mit dem nächsten, das ist lustiger. Suchmaschinen, die nach Linkpopularität rechnen, Entropie fördernde soziale Systeme, die immer dichter immer mehr vom gleichen bringen, und vergessene Quellen helfen dabei…

“Informavores” (noch immer work in progress) beschäftigt sich auch genau mit dieser Frage: Warum ist es trotzdem so wichtig, Information zu haben, Information frei kursieren zu lassen, und sie auch wahrzunehmen? Es geht nicht immer um Veränderung, das ist eher selten der Fall. Information ist die Grundlage, um zumindest die Chance auf Verstehen zu wahren.
Und das ist die Grundlage für de Fähigkeit, begründete Entscheidungen zu treffen und das heisst letztlich: selbständig zu handeln. Ob das ein erstrebenswerter Wert ist, ist jedem selbst überlassen. Ich halte es für wichtig genug, um einige Wege dafür zu gehen. – Trotzdem ist das manchmal so spassbefreit, dass die Grenzen zwischen Rebellion und Depression eben fliessend erscheinen…

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