Der Digiday war ein Tag voll Information ueber Basiswissen, Moeglichkeiten, Trends - kompakt fuer Einsteiger verpackt oder als Realitycheck fuer Fortgeschrittene. Was bei mir haengenblieb ist eine persoenliche Kurzfassung einiger Neuigkeiten oder andere Punkte, die nachdenklich machen. Den kompletten Ruecklick gibt es hier.
Keynote: Technik oder Usability - Muss das ein Oder sein?
Sevenload-Gruender Ibrahim Evsan plaedierte in seiner Keynote wiederholt fuer die Aufwertung von Technik: Programmierer duerften nicht in die Keller von Unternehmenszentralen verbannt werden - sie sollten in die Chefetagen uebersiedeln, "auch wenn sie lange Haare haben und ein bisschen stinken".
Das halte ich fuer fragwuerdig: Moshe Rappaport strich bei der Future Network Conference vergangenen Monat als Vertreter der IBM Research Labs genau das Gegenteil heraus: Innovation duerfe nicht mehr bei Technik anfangen (das ist auch faktisch nicht mehr so), sondern bei der konkreten Problemstellung und der Usability der Loesung.
Technik einfach gegen Marketing, Sales oder Controlling auszutauschen, halte ich fuer eine kurzsichtige Verschiebung des Problems. Aber ich halte es auch fuer unzulaessig, als Marketing-, Sales- oder Controlling-Fachmann zu sagen "Von Technik verstehe ich nichts" - und gleichzeitig darueber entscheiden zu wollen.
Technik muss so werde, dass man gar nicht mehr sagen moechte "Davon versteh ich nichts."
Dann erledigt sich das mit der Chefetage. Zumindest in den Branchen, wo das Sinn macht.
Streamen fuer Einsteiger
Technisch gesehen waren fuer mich in den Videoschwerpunkten die meisten Neuigkeiten: Die fliessende Kombination von Livestream und on Demand Video, wie sie ustream.tv bietet, die vielfaeltigen Moderationsmoeglichkeiten in Livestreams wie bei livestream.com und ueberhaupt die Moeglichkeit, Livestreams rein mit Laptop, Webcam und Internetanschluss ohne weiteres Equipment und nur mit einem Browser als Software abwickeln zu koennen, sind Features, die ich mir noch naeher ansehen muss.
Den besten Einstieg dazu bieten die Digiday-Beitraege von Luca Hammer und Fabian Topfstedt.
Gibt es eine Grenze zwischen Games und Medien?
Gaming war mir immer schon fremd. Joerg Hofstaedter zeigte neben Educational Games, politischen und anderen paedagogisch wertvollen Spielen einige einige eindrucksvollen Zahlen:
- Den groessten Marktanteil im Gaming Markt haben Strategiespiele (ueber 30%), gefolgt von Familienspielen. Ego-Shooter, die medial die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen, machen nur etwas mehr als 11 % des Marktes aus.
- Browsergame-Plattformen gehoeren zu den meistgenutzten Seiten ueberhaupt.
- World of Warcraft hat knapp 12 Millionen Abonnenten. Diese verbringen in fuenf Tage 100 Millionen Stunden mit dem Spiel. 100 Millionen Arbeitsstunden entsprechen dem geschaetzten Aufwand, der bisher insgesamt weltweit in Wikipedia investiert worden ist. Allerdings sind 100 Millionen Stunden nur 1/2000stel des jaehrlichen (oder 1/40stel des woechentlichen) Fernsehkonsums in den USA.
Spiele wie World without Oil, eine Simulation zum Energiecrash in Kalifornien, sind zweifellos politische Tools, die Partizipation lehren koennen. Was mich allerdings seither beschaeftigt ist die Frage: Warum sollen wir die Formierung von Buergerbewegungen, die Bildung von Medien und Oeffentlichkeit, die Kampagnisierung von realen Oeko-Themen, als Spiel abwickeln, wenn wir Medien wie Twitter, Facebook, reichweitenstarke Blogs - kurz ein ganzes Publishing-Universum - haben?
Im Anschluss an die Gaming Sessions wurde am Digiday kurz die Frage nach einer Grenze von Sport und Spiel diskutiert, die brennendere Frage, die sich mir leider erst spaeter konkretisiert hat, ist: Wo ist die Grenze zwischen spielerischen und realen Medien; wo spiele ich nur, obwohl ich "echt" mit Online-Medien arbeite, wo bewege ich "echt" etwas, obwohl ich nur ein Spiel spiele? Gibt es eine/brauchen wir eine Grenze zwischen Spielen und anderen Medien? Und wenn wir diese Grenze definieren koennen: Ist sie wichtig?















