Die Welt ist kein Museum…

Vorgestern war twentytwenty; die Diskussion kam dann doch noch ins Laufen. Rückwirkend betrachtet ging es, leicht verkürzt, darum, ob Lösungen für die Probleme von Zentralchina die Regionalentwicklung von Stixneusiedl oder St. Pölten beeinflussen können – oder darum, mit gezielter Stadtentwicklung das Gröbste zu verhindern.
Ich habe wirklich nichts gegen Städte, einige Punkte greifen mir aber zu kurz: Wie wär’s etwa stattdessen mit einem schlichten
Autostopp innerhalb von Ortstafeln, und einem ebenso schlichten Baustopp außerhalb von Ortstafeln?


Leicht erschreckend fand ich die Reduktion der nicht-städtischen Räume auf Hinterland (zur landwirtschaftlichen Versorgung) und die Ansicht, man hätte es dort nur mit Neubausiedlungen zu tun. Neubauten sind ein Problem – und ich führe sie großteils auf stadtplanerische Entwicklungen zurück:

  • Einerseits haben Leute mal begonnen, aus Land zu ziehen, weil die Stadt nicht mehr ok ist. Dieser Trend ist schon länger zu Ende.
  • Andererseits sehen Dorfbürgermeister zu, was in Städten passiert – und nehmen sich daran ein Beispiel. Das bedeutet meistens: bauen.
  • Die Baubranche hat sich gut als Wirtschaftsfaktor etabliert: Wo die Wirtschaft angekurbelt werden soll, wird gebaut – da ist noch immer jeder bereit, viel Geld auszugeben. Schluss damit. Vor allem wenn im Dorf selbst genug leersteht.
  • Verkehrskonzepte halten nicht Schritt. Die Einsicht, dass das Leben auf dem Land teurer ist (Energie, Mobilität, Versorgung) hat sich anscheinend in Kommunalmanager- und Bürgermeister-Schulungen noch nicht durchgesetzt, noch immer werden Siedlungen aus dem Boden gestampft. Auch gut: Die lassen sich bei Bedarf dann wenigstens als Flüchtlingsunterkünfte nutzen.

Für diese Themen, habe ich gelernt, ist Stadtentwicklung der falsche Ansprechpartner.
Stadt oder Land ist auch nicht das Thema, sondern es geht um eine Frage der Einstellung. Wer die Natur liebe, solle in die Stadt ziehen, und die Natur in Ruhe lassen, war ein breit akzeptiertes Statement gestern. Mein Problem damit: Was hier als Natur ansgeprochen wird, ist landwirtschaftliche Kulturlandschaft, die sich nicht von selbst macht. Zum anderen steht hier ein musealer gegen einen praktischen Zugang: Es ist nicht meins, mich berieseln zu lassen (sei es von Hochkultur, Scenic Views oder indigenen Traditionen), ich vermeide es, Bildungsreisen zu unternehmen, die Locals in Eingeborene verwandeln, die darauf reduziert werden, Selbstgebasteltes zu präsentieren (seien es Inkatempel, Aztekenöfen oder Lederarmbänder) und ich bin aktiver Einwohner und Förderer des Wien-Bratislava-Sprawls
Smart ist wichtig; Cities sind sowieso da. Auch ohne sakralen wertenden Zugang…

Und die meisten Krankheiten holt man sich immer noch im Bus (und der Öko-Rechner eingutertag.org verpasst mir für meine Öffi-Fahrten fast genauso viele Punkte wie für meine Autofahrten…).

Nachsatz: Warum habe ich nicht aktiver vor Ort mitdiskutiert, werde ich zuletzt öfters gefragt. – Liebe Moderatoren, mehr Mut zur Leere – mal ins Publikum fragen und zehn Sekunden warten (ohne weiterzureden) – sonst nehme ich zumindest das nach einem ohnehin schon langen Tag nicht mehr als echte Aufforderung war. Ich verfalle dann ganz urban in einen dialoglosen Smalltalk-Modus…

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