Wir sind alle Frankenstein


Die Monster, die wir fürchten, beneiden und vielleicht sogar hassen, schaffen wir selbst, schreibt Umair Haque in seinem aktuellen Post. – Woher kommt das Geld, mit dem Superreiche 50000$ und mehr für Spielhäuser ihrer Kinder ausgeben? Von denen, die es nicht mehr haben.
Chinesische Großgrundbesitzer sind mit Schuld an der ostafrikanischen Hungersnot, analysiert die Deutsche Regierung: Scheinbar erfolgreiche Transaktionen, die Investoren und Geld nach Afrika gebracht haben, entziehen jetzt die letzte Lebensgrundlage.
George Soros gibt das Investment-Geschäft auf. Die Wallstreet-Legende zieht sich zurück, die Fonds werden aufgelöst, Anleger bekommen ihr Geld zurück. Allerdings nicht wegen finanzieller Unsicherheiten, sondern wegen zuviel Regulierung. Er will nur noch seine eigenen 20 Millarden verwalten – dafür gelten weniger Auflagen…
Auswege sind in beiden Fällen nicht einfach; einfach aus dem Wirtschaftskreislauf aussteigen funktioniert nicht, so lange im Endeffekt noch immer irgendjemand übrig bleibt, der kassiert. – Und wie könnte das nicht so sein? Dabei scheint das in einem Selfmade-Oligopol noch einfach, im Vergleich zu Kulturen, in denen Ex-Adelige Großgrundbesitzer neben ihren Frauen Ministerinnen verfallen, trotzdem noch die Dienstkreditkarte im Puff vergessen und für all das weiterhin zusätzlich zu Grundbesitz mit seinen unternehmerischen Vorteilen mit lukrativen Verwaltungsämtern belohnt werden.
Der Mann – wie viele andere – hat wenigstens was davon.
Anderen bleibt ja nur die Hilflosigkeit. So wundert es mich immer wieder, wie seit Monaten schon bereitwilligst die Botschaften der Bauindustrie in vermeintlich zum Denken befähigten Medien unreflektiert wiedergekäut werden. Wir müssen bauen, wir müssen Arbeitsplätze sichern, die müssen etwas gegen die drohende Wohnungsknappheit in Wien und damit verbundene Preissteigerungen tun. Vor allem müssen wir natürlich bauen, um unsere Förderungen und Steuerbegünstigungen nicht zu verlieren.
Wir sagen nichts und machen weiter, denn es könnte auch uns treffen. Und wenn genug Prolo-Silos an den Stadträndern und in der Umgebung gebaut werden, bleiben mehr hippe Innenstadtwohnungen für uns, und billiger werden sie auch.
Dass dabei Lebensraum draufgeht, Ghettos geschaffen werden, und Systeme einzementiert werden, die keiner braucht – ausser denen, die daran verdienen – steht auf den Seiten, die wir lieber nicht aufschlagen.
Denn sonst müssten wir auch darüber reden, dass wir alle Frankenstein sind und unsere eigenen Monster mitfüttern. Das tun wir fleissig. Lösung kenne ich auch keine – manchmal aber sind Fragen wichtiger als Antworten.

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