Life in A Day

Das kommt also raus, wenn man die ganze Welt bittet, mitzumachen, und immerhin einige tausend Leute mehrere tausend Stunden (4500 Stunden – das ist etwa ein halbes Jahr) Filmmaterial produzieren.
Gut, schlecht, ein Thema für die Kreativitätsqualitätsdiskussion aus “Press Pause Play”? Glaube ich nicht.
Aber es sind einige Momente in diesem Film, die man gerne sieht, und die kaum ein Drehbuch so hätte erfinden können:

  • Der bolivianische Schuhputzjunge, der einen Laptop besitzt und von Wikipedia und Mathematik erzählt.
  • Das Pärchen irgendwo in Afrika, das sich über traditionelle Sitten und Geschlechterrollen – die Frau sollte beim Begrüssen vor dem Mann niederknien – herzlich zerkugelt.
  • Und ein paar weitere, einfach schön erzählte und umgesetzte Details



Der mit großem Networking-Aufwand produzierte Filme wurde dann relativ leise veröffentlicht, das große Rauschen blieb aus – obwohl die Youtube-Version schon auf 5 Millionen Views zusteuert. Die offizielle Filmkritik setzte mit dem üblichen Geraunze zu Dokumentarfilmen ein: Der Streifen sei oberflächlich, banal, seinem eigenen Konzept nicht treu und halte nicht, was er versprochen habe.
Das Ergebnis ist streckenweise wirklich nicht gerade fesselnd. Die Mischung aus Alltäglichem (Frühstückstische, Toiletten, Lamborghini fahren) und Besonderem (mit dem Fahrrad die Welt umrunden) in unzähligen Miniaturen macht es dem Zuschauer schwer, sich auf Konkretes einzulassen.
Was bleibt übrig: Ein Überblick zur Welt an einem Tag, die nun mal banal ist. Und das dämmernde Bewusstsein, dass einem nicht viel anderes übrig bleibt, als stolz darauf zu sein, man selbst zu sein.

Michael Hafner

schreibt hier zu digitalen Medien, Verlagsmodellen und Enterprise 2.0 und arbeitet an “Informavores”, der Erzählung zur großen Wirtschafts- und Politikkrise.

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