Heinz: Aber wozu? - Was einst männlich war, heisst heute Burnout

Ich stehe jeden Morgen auf und frage mich: Wozu? - Na toll aus der schneidigen Sexkolumne ist jetzt eine pantoffeltragende Männerkolumne geworden.
Spätestens nach dem dritten Espresso greift täglich eine eiskalte Hand nach mir und stösst mich wie einen nicht stubenreinen Welpen auf den Pissfleck am Parkett mit der Nase auf die bohrende Frage: "Willst du jetzt wirklich den Businesspanzer in Form eines gebügelten Hemds, frisch aus der Reinigung, anziehen, in der Rushhour mit Menschen, denen du nicht nahe kommen willst, auf engstem Raum die U-Bahn teilen, zehn Stunden unkonzentriert in einem hässlichen Büro mit Menschen arbeiten, für die du nichts tun willst? Und das, um Geld zu verdienen für ein Leben, das du nicht willst, um Dinge zu kaufen, für die du dann keine Zeit hast?"
Was einst männlich war, heisst jetzt Burnout.
Achilles, der alle Energie darauf setzte, zum besten Schlächter seiner Zeit zu werden, und immer einen Anlass fand, um rachegetrieben zu sein. Familie? Freunde? Work-Life-Balance? - Reizbarer jähzorniger Freak, schlechte Beherrschung, keine klaren Prioritäten im Leben.
Hemingway, der Spuren mit einer Reihe von tieftraurigen, schön erzählten Geschichten mit der Holzhammerpsychologie einer Telenovela hinterliess. Verantwortungsloser Kasperl - der aber anscheinend doch einige Leute in seinen Bann zog.
Kafka, der seinen Versicherungsjob nicht an den Nagel hängte und nachts schrieb. Erfolglos, planlos, und bald auch ziemlich einsam. Bedeutungsvoll? Oder ein Sozialfall, dem nicht mal die Expertinnen von Das Model und der Freak hätten helfen können?

Voller Energie auf etwas loszugehen, was vielleicht niemand sonst versteht, was dir auch selbst nicht immer Freude bereitet, ist kein Wert an sich. Trotzdem sollen Männer noch immer tun, was sie tun müssen. Was bloss?
Manche Fragen sind wertvoller als Antworten. - Antworten können und müssen sich mit der Zeit ändern; einige Fragen werden bleiben.
Burnout ist eine ziemlich große Keule, die gern auch für Phasen der Ratlosigkeit eingesetzt wird. Wer sagt denn eigentlich, dass wir immer einen Plan haben müssen? Leben ist kein Businessprozess. Aber wir haben ein gewisses Talent, es immer wieder dazu zu machen - und dann geht es schon nach wenigen Jahren nur noch ums Geld. Geld macht nicht glücklich, sagt man heute leichthin. Schön. Blöd nur, wenn man nicht zwischen einer und zehn Millionen wählen kann, sondern zwischen zehntausend und hunderttausend. - Und das bei steigenden Preisen, sinkenden Wachstumsraten und immer schwierigeren Umgebungen. Ist das entsetzlich pragmatisch.
Was macht uns dann glücklich?
Tja, Fragen haben auch ihren Wert, und eben nicht nur Antworten. Dabei, um zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Wir wären ja wirklich ganz leicht abzulenken…

Damits deutlich wird: Heidi Lackner fand im Onlinestandard tolle Worte dazu, also eigentlich zu Niko Pelinka: "Also, hau' den Hut drauf, Niko, sei 25 und lobbyier nicht am Leben vorbei. Hab's lustig, komm wieder in zehn Jahren und du wirst als der tolle Typ dastehen, der freiwillig 25 war und später aus eigener Kraft wer geworden ist, der den ganzen maroden Irrwitz nicht notwendig hatte.
Und du wirst so mehr Sex haben. Weil dich irgendjemand wieder leiden kann. Irgendwer sicher. Irgendwann. Versprochen."
Darf man mit Mitte 40 auch noch? Bitte…

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