Social Media - Repraesentieren

Netzwerke sind Umgebungen sozialer Natur. Dort herrschen nicht nur Verbindungen und Beziehungen, es geht um Sehen, Gesehen werden, Einfluss, Reichweiten, Praesenz und schliesslich auch Macht.

Posing und Eigen-PR


Die durch Postings, Statusmeldungen, Bilder und andere Medien vermittelte Realitaet ist eine Konstruktion, die sich in besonderem Ausmass dazu eignet, fuer repraesentative Zwecke eingesetzt zu werden:

  • Das Geruest ist meist streng vorgegeben, funktional kann es nur wenig Fehler geben
  • Meldungen sind punktuell gestreut und koennen gut koordiniert werden: es gibt keine verpflichtende Regelmaessigkeit. Im Gegensatz zu Blogs leben Netzwerkmedien wie Facebook auch dann weiter, wenn einzelne Mitglieder laengere Zeit nichts veroeffentlichen – im Gegenteil, das staerkt die Vernetzung und oft auch die Aufmerksamkeit.
  • Netzwerke erfuellen Verteilungsfunktionen sehr gut – auf diesem Weg koennen andere Unternehmensinhalte promotet werden.
  • Das Umfeld ist grundsaetzlich freundlich – so sehr Netzmedien auch oft ein Schlachtfeld fuer persoenliche Auseinandersetzungen sind, so offen ist grundsaetzlich die Stimmung am Anfang: Mit halbwegs gut eingefuehrten Brands, die kleine Aktionen setzen, freundet man sich gerne an.
  • Posing und Eigen-PR gehoeren zu den Hauptzwecken der Netzwerkmedien – jeder macht es auf die eine oder andere Art. Die Buehne ist also eroeffnet, sie braucht nur genutzt zu werden.

Wehrlosigkeit in Social Media: Posten heisst, die Kontrolle aufgeben


Auf der Sollseite steht mit Sicherheit der Aufwand, das notwendige Talent zur Selbstdarstellung und eine gewisse Wehrlosigkeit.
Der Aufwand, Netzwerke wie Facebook oder MySpace zu nutzen, ist nicht zuletzt deshalb so gross, weil nicht nur die eigenen Beitraege erstellt und gewartet werden muessen, sondern auch Reaktionen, Kommentare und Beitraege anderer User, die auf die eigenen Bezug nehmen. Es duerfen keine Sackgassen entstehen, die Unterhaltung muss fortgesetzt werden.
Talent zur Selbstdarstellung bedeutet, dass der richtige Ton getroffen werden muss. Jedes Posting kann sich potenzieren und in viele verschiedene Richtungen gedreht werden – es reicht nicht, die Botschaft einmal richtig zu formulieren, sie muss so formuliert sein, dass sie moeglichst auch in verschiedenen Zusammenhaengen noch funktioniert und auch in einfachen Varianten und Kommentaren noch verstanden werden kann.

Das fuehrt auch zum Aspekt der Wehrlosigkeit in Social Media: Es kann zwar genau gesteuert werden, was veroeffentlicht wird – das ist aber dann auch immer nur eine punktuelle Darstellung. Sie steht anderen Usern zur freien Interpretation zur Verfuegung, Social Media bieten nicht den Platz fuer ausfuehrliche Erklaerungen, sie bieten nicht die Moeglichkeit, eigene Elemente zu gestalten oder eigene Welten zu schaffen – verschiedene User sind einander grundsaetzlich aehnlich.
Die grosse Staerke von Netzwerken ist damit auch deren Gefahr – und immer wieder kommen wir zu dem Punkt, an dem groesste Aufmerksamkeit und gruendliche Arbeit gefordert sind,

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