Social Media - Sammeln und Sichern

Das Sammeln als Anwendungszweck von Social Media kommt am deutlichsten in Form von Social Bookmarking zum Ausdruck: In anwendungen wie Delicious posten User Links, kategorisieren sie mit Tags und sie koennen noch entscheiden, ob dieser Link nur fuer sie sichtbar ist oder ob er fuer alle erreichbar ist.

Der Social-Faktor: Selbstlernende Archive


So entstehen Sammlungen, die ein Userprofil ergaenzen und andererseits um bestimmte Schlagworte gruppiert werden koennen: Die Suche in Bookmarkingservices liefert nicht nur Ergebnisse, sondern auch deren Umgebung. Andere Bookmarks des Users, der diesen Link gespeichert hat, koennen aufgerufen werden, Bookmarks anderer User, die die gleichen Tags verwendet haben, sind ebenfalls abrufbar.
Auf diesem Weg wachsen die Sammlungen durch die soziale Komponente, durch den Netzwerkeffekt um ein Vielfaches schneller und breiter, als einzelne Linksammlungen.

Auf einem aehnlichen Prinzip basieren auch aggregierende Sammelservices wie Friendfeed oder Secondbrain: Diese Anwendungen sammeln alle Onlineaktivitaeten eines Users, also dessen Blog- und Microblogposts, seine Bookmarks, seine Statusmeldungen und Aktivitaeten in anderen Social Media, und veroeffentlichen sie in einem aggregierten Feed. Das ermoeglicht sowohl dem Autor als auch anderen Usern schnellen Zugriff auf diese Inhalte, und es liefert den Hintergrund fuer eine andere Einschaetzung der gesammelten Inhalte und Bookmarks eines Users, der auch intensiv zum gleichem Thema bloggt, haben einen anderen Stellenwert als Zufallstreffer – auf diesem Weg entstehen Gruppen und Schwerpunkte.

Weniger umfassenden Sammelcharakter haben Profilseiten und Statusmeldungen, die ebenfalls oft Links enthalten, sowie in Twitter oder anderen Microblogs gepostete Links. Diese koennen zwar auch als Archiv eingesetzt werden, als eine Moeglichkeit, einen Link oder eine Notiz schnell zu archivieren, haben aber in der Regel eher Promotions- und Repraesentationscharakter.
Teilen – mit diesem Wort wird die Funktion, Links und andere Inhalte zu posten, oft bezeichnet – ist zu einem anderen Wort fuer promoten geworden.

Meinungen sammeln und dokumentieren


Neben der Sammlungs- und Archivierungsfunktion erfuellen die ueber Netzwerke promoteten Links und Dateien oft auch die Funktion kleiner Markttests: Wer reagiert wie worauf, welche Verbindungen und parallel genutzten Inhalte lassen sich erkennen? Ueber die Bewegung in zusammenhaengenden Netzen lassen sich grob Profile erkennen – umso mehr, je staerker Empfehlungs- oder Repraesentationsaspekt ausgepraegt ist. Als Messgroessen stehen Profilaufrufe, Klicks auf Links, Kommentare und oft auch Freunde oder Fans zur Verfuegung.

Soziale Archive und Netzwerke erfuellen im Problemfall schliesslich auch eine selbstheilende Funktion: Es ist kaum moeglich, etwas zu verlieren, weil irgendwer es immer auch noch hat. Es kann entweder direkt in den Inhalten der anderen gesucht werden – oder statt einer Information wird eben diesmal eine Frage gepostet. Antworten kommen in der Regel schnell – hier greift wieder der Posing- und Repraesentationseffekt.

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