Internetminister

Origami extended: Wir falten uns einen Internetminister…

Der österreichische Zeitungsverlegerverband VÖZ, immer mal für Entertainment gut, hat eine neue Idee: Der Internetminister muss her!
Hauptanliegen ist wenig verwunderlicherweise das Urheberrecht. Abgesehen davon, dass wir ja schon lange den Österreichischen Internatrat haben, halte ich das für eine wirklich lustige Idee: Die Garanten der Meinungsfreiheit in papierener Form, die gern mit Kanonen auf Twitter-User schiessen, fordern einen Regulator für die aktuelle Konkurrenz, die in naher Zukunft die eigene Zukunft sein sollte.

Internetminister

Klingt kompliziert, und ist es eigentlich auch. Wo sich politische Entscheidungen rund ums Digitale bisher auf Facebookverbot für Öffentlich-Rechtliche, Haftung für Links oder den Internet-Ombudsmann beschränkt haben, soll nun ein neuer Heilbringer wachsen, der das Neuland erschliesst.
Im letzten Terra Mater (im übrigen Print) gabs eine spannende Geschichte über den Niedergang der Eisindustrie nach dem Aufstieg von Kühlschränken und Klimaanlagen.
Ich bin eigentlich kein Freund von Untergangsszenarien und es gilt ja auch als eines der wenigen publizistischen Gesetze, dass unterschiedliche Medienarten einander nicht kannibalisieren. Heisst: Ich glaube nicht an einen Untergang, eher an eine Auslese und Umorientierung. Weil natürlich Probleme, Rückschritte, sinkende Zahlen an allen Ecken nicht zu verleugnen sind, drängt sich in mir allerdings zuletzt immer öfter ein anderer Gedanke auf: Vielleicht liegt der vermeintliche Feind ja im eigenen Bett. – Druckkosten sind im Vergleich vor wenigen Jahren so niedrig, dass der vermeintliche Produktionsvorteil von Online gegenüber Print praktisch wegfällt. Grundsätzlich kann jeder sein eigenes Heft produzieren – und immer mehr Unternehmen tun das auch. Bleibt natürlich das Distributionsproblem. Dabei hat der die besten Karten, der die beste Kundenbeziehung hat. Und auf dem Gebiet waren Zeitungsverlage schon seit jeher notorisch schwach: Abgesehen von Bildungsgehabe auf der einen Seite und Rubbellosen auf der anderen lief in dieser Hinsicht nicht viel; und ein Handy hat jetzt auch schon jeder…
Manche Verlage lernen von dieser Entwicklung und beschäftigen sich mit Content Marketing und Corporate Publishing, andere warnen davor – und vergessen ganz, dass in der Regel auch sie Eigentümer haben…
Aber zurück zum Start: Das Traurige an der lustigen Idee ist, dass sie wohl nicht von der Hand zu weisen ist. Aber nicht, um neue Regulierungen zu erfinden oder Entwicklungen zu bremsen, sondern um einigen Themen die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen. Auch wenn jeder schon mal online war, ist es doch vermessen, Internet, digitale Medien und Vernetzung als State of the Art zu beschreiben (auch wenn ich den Tonfall dieses Artikels nicht mag ; schliesslich ist es genau so vermessen, anzunehmen, die eigene Meinung würde dadurch aufgewertet, dass sie von jemand anderem übernommen wird).
Ja, Digital ist mehr als Infrastruktur, mehr als Urheberrecht und mehr als die nächste Vermarktungsmaschine. Aber: Gab es jemals einen Fernsehminister? Und fühlen wir uns mit Ämtern wie einem Informationsministerium wohl?.
Der größte Vorteil der Einrichtung des Internetministers wäre sicher: Viele hätten dann wieder einen gemeinsamen Feind – und so mehr Anlass zum Reden… 😉

2 thoughts on “Origami extended: Wir falten uns einen Internetminister…

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